Gemeinde Hohenstein, Landkreis Reutlingen

„Gestaltungssatzung Hohenstein“ Gemarkungen Bernloch, Eglingen Meidelstetten, Ödenwaldstetten und Oberstetten Gemeinde Hohenstein, Kreis Reutlingen, 10.06.2008 –4-0245

SCHRIFTLICHER TEIL (TEIL B) "GESTALTUNGSSATZUNG HOHENSTEIN" GEMARKUNGEN BERNLOCH, EGLINGEN, MEIDELSTETTEN, ÖDENWALDSTETTEN UND OBERSTETTEN GEMEINDE HOHENSTEIN, KREIS REUTLINGEN

Die örtlichen Bauvorschriften bestehen aus der Planzeichnung (Teil A) und dem schriftlichen Teil (Teil B.).

Präambel

Die vorhandene städtebauliche Qualität in Hohenstein ist nicht zufällig entstanden. Sie beruht auf bewahrenden Traditionen und traditionell vorhandenen Materialien sowie dem regionalen Bauen.

Von extremen Veränderungen durch industrialisierte Produkte ist die Gemeinde Hohenstein insofern verschont geblieben, als es seit den 80er Jahren Entwicklungskonzepte, Farbleitpläne und Einzelberatungen zu Bauvorhaben gibt.

In Hohenstein gilt es die Baukultur zu erhalten. Im Wesentlichen soll der Umgang mit den einzelnen Bauvorhaben begleitet werden. Hierzu wurde ein Kriterienkatalog entwickelt, in dem einige wenige Festsetzungen im Gemeinderat diskutiert und getroffen wurden. Weitere Aspekte, die sich bisher bewährt haben, werden als Empfehlungen aufgenommen und im Rahmen von Beratungen in Einzelprojekte eingebracht. So kann gewährleistet werden, dass eine behutsame Ortsentwicklung unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten erfolgen kann. Gleichzeitig sollen konstruktive Weiterentwicklungen möglich sein. Dem dient zum einen die Zielformulierung mit Empfehlungen, unterstützt durch Beratungen der Einzelbauherren.

Die historischen Dorfgrundrisse sind in den Teilorten überwiegend bis heute unverändert erhalten. Er wird durch das überlieferte Straßennetz, die Struktur der Flurstücke und die Baufluchten bestimmt. Die Ortsstruktur wird darüber hinaus entscheidend von der Maßstäblichkeit der Gebäude im Gesamtgefüge geprägt. Bestimmend sowohl für die Gestaltung der einzelnen Gebäude, als auch für deren Wirkung im baulichen Zusammenhang sind Dachform, Material, Farbgebung, Fassadengliederung und die Ausführung von Details:

  1. Die vorherrschende Dachform ist das Satteldach.
  2. Die vorherrschenden natürlichen Materialien sind: - Naturstein und verschiedene Putztechniken, - Holz als konstruktives Fachwerk und als Material für Fenster und Türen, - rote bis rotbraune naturfarbene Tonziegel zur Dachdeckung.
  3. Die Gliederung der Fassaden wird durch die Konstruktion historischer Bauten bestimmt (landwirtschaftliche Betriebe). Bei diesen sind die Mauern, Pfeiler und die Ständer im Fachwerk maßgebend für die Größe der Türen, Tore und Fenster.
  4. Details, z.B. Fenster, sind übergreifende, gestaltbestimmende Elemente für das Ortsbild. Vorherrschend sind Holzfenster als stehende Formate. Im Siedlungsbereich werden auch in Zukunft bauliche Veränderungen und Neubauten notwendig sein. Diese Satzung soll den Bewohnern, Bauherren und Planern die Gewähr bieten, dass die bestehende Struktur bewahrt bleibt.

Satzung der Gemeinde Hohenstein zur Gestaltung von Gebäuden

Für diese Satzung gilt: - Landesbauordnung (LBO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 08.08.1995 (GBl. S. 617), zuletzt geändert am 14.12.2004 (GBl S. 885/900)

Aufgrund des § 74 Abs. 1 LBO und § 4 der Gemeindeordnung für das Land Baden-Württemberg in der derzeit gültigen Fassung hat der Gemeinderat der Gemeinde Hohenstein zum Schutze und Wahrung des Ortsbildes des Innenbereichs der Gemeindeteile von Hohenstein in seiner Sitzung am 10.06.2008 folgende Satzung beschlossen:

Vorschriften über Grundsätze der Gestaltung

Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern, zu gestalten und zu unterhalten, dass sie nach Form, Maßstab, Gliederung, Material und Farbe den historischen Charakter, die künstlerische Eigenart und die städtebauliche Bedeutung der ihre Umgebung prägenden Bebauung, des Straßen oder Platzbildes und des Ortskerngefüges nicht beeinträchtigen. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn die in dieser Satzung vorgegebenen Anforderungen nicht erfüllt sind.

§ 1 Örtlicher Geltungsbereich 1.1 Diese Satzung gilt für die ganze Gemeinde Hohenstein (Gemarkungen Bernloch, Eglingen, Meidelstetten, Oberstetten und Ödenwaldstetten), Kreis Reutlingen.

§ 2 Sachlicher Geltungsbereich 2.1 Die Satzung gilt für alle baulichen Anlagen und Teile von baulichen Anlagen. Insbesondere sind hiervon betroffen bauliche Maßnahmen wie a) Neu- und Umbauten, b) Instandsetzungen und Änderungen. 2.2 Die Gültigkeit sonstiger öffentlich rechtlicher Vorschriften wird nicht berührt. 2.3 Festsetzungen von Bebauungsplänen und Örtliche Bauvorschriften zu diesen Bebauungsplänen haben Vorrang vor dieser Gestaltungssatzung. 2.4 Rechtsvorschriften des Denkmalschutzes bleiben unberührt.

§ 3 Dach 3.1 Für das Hauptgebäude ist die Grundform das Satteldach. 3.2 Als Ausnahme können andere Dachformen und -neigungen für Sonderbauvorhaben, untergeordnete bzw. rückwärtige Nebenanlagen und Gebäudeteile zugelassen werden. 3.3 Für die Dacheindeckung sind nichtreflektierende Materialien in roten, rotbraunen bis braunen Farbtönen zu verwenden. 3.4 Bei der Traufausbildung ist ein deutlicher Dachüberstand von mindestens 30 cm vorzusehen.

§ 4 Höhe baulicher Anlagen 4.1 Bei Neu- bzw. Umbauten sind für das Hauptgebäude die in der Nachbarschaft vorhandenen Gebäudehöhen (Trauf- und Firsthöhen) maßgebend.

§ 5 Ausnahmen, Abweichungen und Befreiungen Von den Vorschriften dieser Satzung können auf der Grundlage von § 56 (1) und (3) LBO Ausnahmen zugelassen werden. Die Entscheidung über die Zulassung von Ausnahmen obliegt der Baurechtsbehörde im Einvernehmen mit der Gemeinde.

§ 6 Empfehlungen und Beratungen:

6.1 Vorbemerkung Die aufgeführten Kriterien sind: Empfehlung (E) Beratung (B) An ihnen sollen sich die Grundstückseigentümer bzw. Bauherren orientieren

6.2 Gebäude,( Bauliche Anlagen) (E) Bauliche Anlagen sollen sich in Form, Maßstab, Gliederung, Werkstoff und Farbe in die jeweilige Umgebung einfügen. Durch Neubauten, Umbauten und Instandsetzungsarbeiten soll der Charakter des Gebäudes und des überlieferten Straßenbildes erhalten oder wiederhergestellt werden

6.3 Firstrichtung und Dachneigung (E) Die Firstrichtung und die Neigung der Dächer vorhandener Gebäude sind beizubehalten, sofern nicht aus zwingenden gestalterischen oder konstruktiven Gründen eine Veränderung erforderlich wird. Dies gilt auch bei Ersatzbauten. Bei Gebäuden, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Satzung auf unbebauten Grundstücken oder Grundstücksteilen errichtet werden, soll die Firstrichtung der im Straßenbild vorherrschenden Firstrichtung folgen.

6.4 Gebäudestellung (E) Die Gebäude sollen im rechten Winkel zum Straßenverlauf traufständig oder giebelständig angeordnet werden. Bei entsprechenden Voraussetzungen soll eine Hofbildung aus Haupt- und Nebengebäuden erfolgen.

6.5 Fassade (E)

Fensterformate Bei Umbauten und Renovierungen sollte die ursprüngliche Fassadenproportion erhalten bleiben. Traditionell wurden stehende Fensterformate bevorzugt. Teilweise konstruktiv bedingt (geringe Sturzbreite). Wesentlicher Aspekt ist bis heute die erkennbare Symmetrie, die bei liegenden Formaten in der Regel fehlt oder nicht erkennbar ist.

Fachwerk In der Vergangenheit wurde Fachwerk freigelegt ohne zu bedenken, dass es sich oft um konstruktives Fachwerk handelte, welches nie zur Freilegung vorgesehen war. Historisch gibt es viele Fachwerkhäuser, die verputzt wurden, um als „hochwertigeres“ Steingebäude zu erscheinen. Sichtbares konstruktives Fachwerk, fälschlicherweise oft auch als Schmuckfachwerk bezeichnet, bedingt ein witterungsbeständiges hochwertiges Material, welches aus Kostengründen oft nicht eingesetzt werden konnte. Es sollte vermieden werden durch Aufbringen von Brettern oder anderen Materialien oder durch Anstrich Sichtfachwerk nachzubilden.

Scheunentor Teilweise werden mit guten Beispielen ehemalige Scheunen zu Wohnzwecken ausgebaut. Dadurch entstehen konstruktive Weiterentwicklungen in gewachsenen Gebäuden – auch im Umgang mit großen Öffnungen, die ehemals Scheunenzufahrten waren. Fassadenverkleidung In den letzten Jahren kommen vermehrt auch andere Materialien zum Einsatz. Aktuelles Beispiel ist Wellaluminium. Eine Vielzahl von neueren Baustoffen eignet sich hervorragend für moderne Gebäude in Neubaugebieten und findet dort auch in positiver Gestaltung seine berechtigte Anwendung. In den gewachsenen Ortsstrukturen ist der Einsatz im Grundsatz eher kritisch bis ablehnend zu beurteilen.

6.6 Farbberatung (B) Im Rahmen der städtebaulichen Einzelberatung erfolgt eine Farbberatung. Die Farbberatung wird von der Gemeinde empfohlen und ist ein Angebot, dass der Bauherr kostenfrei in Anspruch nehmen kann.

6.7 Vorbereiche / Freiflächen (E/B) Die Ortsdurchfahrten wurden teilweise neu gestaltet. Hierbei wurden die Ziele der Entwicklungsplanungen bereits berücksichtigt. Bei aktuellen und künftigen Einzelbaumaßnahmen sollte eine Beratung entsprechend dieser Zielsetzung auch dann erfolgen, wenn keine öffentliche Maßnahmen durchgeführt werden. Es ist auf den Belagwechsel zwischen Fahrbahn und öffentlichen oder privaten Gehwegbzw. Aufenthaltsflächen zu achten. Die Aufenthaltsqualität kann durch ortsgerechte Anordnung von Sitzgelegenheiten (Bänke) oder anderen ländlich üblichen Dingen (Brennholz, Blumenschmuck etc.) im privaten Bereich zwischen Gehweg und Gebäude erheblich gesteigert werden. Gleichzeitig ist dies ein Angebot für die Kommunikation. (Kontaktaufnahme im Grenzbereich zur öffentlichen Fläche), wobei der Übergang angenehm fliesend gestaltet werden kann.

6.8 Garagen / Carports (E/B) Sollten im Rahmen der Beratung entsprechend den Zielen der Planung am Bestand orientiert sein und sich an der Materialwahl der Haupt- und Nebengebäude orientieren.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten Ordnungswidrig im Sinne des § 75 (3) 2 LBO handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die verbindlichen Vorschriften der §§ 3 bis 5 verstößt.

§ 8 Inkrafttreten Mit der ortsüblichen Bekanntmachung nach § 10 BauGB tritt diese Satzung in Kraft.

Reutlingen, den 10.06.2008

Clemens Künster Dipl.-Ing. Regierungsbaumeister Freier Architekt + Stadtplaner SRL

Hohenstein, den 10.06.2008

Jochen Zeller Bürgermeister

VERFAHRENSVERMERKE "GESTALTUNGSSATZUNG HOHENSTEIN" GEMARKUNGEN BERNLOCH, EGLINGEN, MEIDELSTETTEN, ÖDENWALDSTETTEN UND OBERSTETTEN GEMEINDE HOHENSTEIN, KREIS REUTLINGEN

Aufstellungsbeschluss 11.03.2008 - Öffentliche Bekanntmachung 14.03.2008

Auslegungsbeschluss 11.03.2008 - Öffentliche Bekanntmachung 14.03.2008 - Öffentliche Auslegung 25.03.2008 – 25.04.2008

Satzungsbeschluss 10.06.2008

Das Genehmigungsverfahren gem. § 10 (2) BauGB wurde durch das Landratsamt Reutlingen mit Erlass Nr. abgeschlossen

Ausgefertigt: Der textliche Inhalt dieser Satzung stimmt mit dem Satzungsbeschluss überein. Das Verfahren wurde ordnungsgemäß durchgeführt.

Ortsübliche Bekanntmachung Damit wurde die Satzung rechtsverbindlich