Die Geschichte der Burg Hohenstein

Im Frühling 1899 unternahm der Burgforscher Otto Piper eine Wanderung zu den Burgresten des großen Lautertals. Piper wanderte von der Bahnstation Kleinengstingen über Bernloch zunächst zu den bei Oberstetten gelegenen Burgruinen Hohenstein und Ödenburg. „Von Bernloch“ – so schilderte er in einem Aufsatz seine Eindrücke – „tritt am südlichen Horizont die Burgruine Hohenstein deutlich hervor. Ein spitzer, einem bewaldeten Landrücken vorgelagerter Hügel ist von einem schmalen Mauerstück gekrönt, welches turmartig und mit weiter Öffnung den Baumwuchs überragt. Querfeldein suchte ich mir über Ackerland einen Weg dorthin und fand da eine umfänglichere Ruine als es aus der Ferne geschienen hatte.“
Wenig war zu diesem Zeitpunkt über die Geschichte der Burg bekannt. Erst Viktor Ernst hat 1912 in seiner Münsinger Oberamtsbeschreibung eine umfangreichere Untersuchung vorgelegt, die auf einer gründlichen Sichtung der damals bekannten Quellen beruhte. Die Burgruine Hohenstein blieb aber weiterhin unbeachtet, da sie abseits der viel begangenen Wanderwege lag.
Es war ein Verwaltungsakt aus jüngster Zeit, der die Burgruine wieder für eine breitere Öffentlichkeit interessant machte. Im Zuge der Gemeindereform wurden 1975 die fünf Gemeinden Bernloch, Eglingen, Meidelstetten, Oberstetten und Ödenwaldstetten zu einer neuen Gemeinde vereinigt. Bei der Suche nach einem Namen hat man nicht einen Kunstnamen der neuen Gemeinde auferlegt, sondern den Namen der Burg genommen, die etwa inmitten der neuen Gemeinde liegt. Seither ist der Name Hohenstein wieder in vieler Munde. Das neuerwachte Interesse an der Burg, das in der 1983/84 vorgenommenen baulichen Sicherung der Burgruine seinen besonderen Ausdruck gefunden hat, lässt sich aber durchaus allein von der Burg und ihrer Geschichte her rechtfertigen. Zwar berichten die mittelalterlichen Quellen weder von militärischen Ereignissen noch von besonderen Taten der Burgherren, die Burg Hohenstein gehört jedoch zu den ältesten Burgen der mittleren Alb und ist somit in einer Epoche des mittelalterlichen Burgenbaus erbaut worden, als eigentlich nur Angehörige des Hochadels wie Grafen oder ihnen gleichgestellte Herren sowie reichere Edelfreie zum Burgenbau in der Lage gewesen sind. Besonderes Interesse verdient damit die Burg Hohenstein schon deshalb, weil ihre Geschichte unsere Kenntnisse vom frühen Burgenbau zu bereichern vermag. Wer war der Erbauer der Burg, was ist über ihn und die Adelsfamilie, der er angehörte, bekannt?

Die mittelalterliche Burg als “befestigter Wohnsitz einer adeligen Familie”, oder anders ausgedrückt, als “ständig bewohnte Wehranlage”, erhält einen großen Teil ihrer Wehrhaftigkeit bereits durch die Art des Bauplatzes. Dabei reichen die Möglichkeiten vom künstlich aufgeschütteten Hügel der “Motte” bis zur Grotten- oder Höhlenburg in den Alpen mit zahlreichen Zwischenformen. Ideal erscheint ein Bergkegel mit ringsum abfallendem Gelände, hier hätte ein schlichtes Haus bei genügender Steilheit des Hanges oder der Felsen ohne zusätzliche Wehreinrichtungen bereits die Qualität einer Burg. Allein die nötige Zugänglichkeit fordert Kompromisse, sofern nicht die Seilwinde als äußerste Form des Zuganges absolute Sturmfreiheit gewährleistet.
Die Schwäbische Alb bietet eine reiche Auswahl der verschiedensten Bauplatztypen für Burgen: Vom steilen Kegelberg (Achalm, Limburg bei Weilheim), über den klassichen “Sporn” bis zur Felsbastion (Gebrochen Gutenstein, Bronnen). Allerdings blieben die Möglichkeiten für einen bauwilligen Adeligen auf sein Herrschaftsgebiet beschränkt, so dass der Gründer des Hohensteins auf der “Kuppen-Alb” ohne tief genug eingeschnittene Täler oder kegelförmige Erhebungen erheblich eingeschränkt war. Der zur Verfügung stehende Bauplatz war zwar auf einer Seite, d. h. nach NO hin, felsig-sturmfrei, lief aber nach SW hin terrassenartig flach aus, so dass zur Erlangung der wünschenswerten Wehrhaftigkeit mancherlei Baumaßnahmen notwendig wurden. Diese bestanden in einer vorgeschobenen Befestigung des Terrassenrandes, dort sicher anfangs lediglich mit Palisaden, verstärkt durch einen künstlich eingetieften Graben mit vorgelagertem Wall. Der damit entstandene eingefriedete und fast ebene Bezirk am Fuß des Burgberges bot sich für eine Sekundärnutzung an, wie sie auch bei vielen anderen Burgen für Landwirtschaft und Handwerk nachzuweisen ist. So führt eine Betrachtung des Bauplatzes zu der Feststellung: Hohenstein gliedert sich in eine “Kernburg” auf dem Burgberg und in eine “Vorburg” am flach auslaufenden Hang unterhalb der Kernburg.
Interessant ist an der Lage der Burg weiterhin, dass man vom Bauplatz her der Anlage keine strategische Funktion als Talsperre, Straßenkontrolle o. ä. unterschieben kann, wie dies andernorts häufig geschieht. Vielmehr ist die Burg, wie bei der Mehrzahl ähnlicher Objekte, Herrschaftszeichen durch Überhöhung und durch Absonderung von der Siedlung der Unfreien.
Die Geologie des Burgberges entspricht der “Kuppen-Alb”. Er ist aufgebaut aus ungegliedertem Massenkalk mit einzelnen freiliegenden Riffen des unteren Felsenkalkes, zuzuordnen dem mittleren Kimmeridgium des Malm (traditionell bezeichnet als Weißjura delta/epsilon).

Weitere Informationen zur Geschichte, zu den Bewohnern sowie interessante Details zum Baustil können im Buch „Burgruine Hohenstein“ nachgelesen werden. Dieses kann bei der Gemeindeverwaltung, Bürgerbüro erworben werden.